Qualitätsanforderungen für Passivhäuser*

 

Passivhäuser sind Gebäude, in denen eine behagliche Temperatur im Winter ohne separates Heizsystem und im Sommer ohne Klimaanlage mit extrem geringem Energieaufwand zu erreichen ist. Der Heizwärmebedarf wird auf 15 kWh/(m²a) und der Bedarf an erneuerbarer Primärenergiebedarf (PER, nach Verfahren PHI) einschließlich Warmwasser und Haushaltsstrom auf 60 kWh/(m²a) begrenzt. Gerade durch die verwendeten Passivhaus-Komponenten bieten sie erhöhten Wohnkomfort und eine Sicherung der Bausubstanz.


Die Realisierung von Passivhäusern stellt hohe Ansprüche an die verwendeten Komponenten.

 

1. Behaglichkeit + Komfort

 

2. Qualitätsstandard für Konstruktion und Technik

 

3. Energieeffizienz


4. Passivhaus-Kriterien

Die bloße Zusammenstellung Passivhaus geeigneter Einzelkomponenten reicht noch nicht aus, um ein Gebäude zum Passivhaus zu machen: Die Wechselwirkungen zwischen den Komponenten machen eine integrale Planung notwendig, mit welcher der Passivhaus-Standard erst erreicht werden kann. Dies ist der Fall, wenn rechnerisch nach PHPP (s.u.) nachgewiesen wird, dass die Passivhausgrenzen eingehalten werden, d. h. für Passivhaus Classic:


Heizwärmebedarf ≤ 15 kWh/(m²a) oder Heizlast ≤ 10 W/m²


Drucktestluftwechsel n50 ≤  0,6 h-1

 

Erneuerbare Primärenergie (PER), Bedarf ≤ 60 kWh/(m²a)

 

Aktuelle Gebäudekriterien inkl. der Anforderungen für Passivhaus Plus und Premium können unter www.passiv.de > Zertifizierung > Gebäude heruntergeladen werden.

 

Dann stellt sich in der Regel eine Gebäudeheizlast von 10 W/m² ein und eine Beheizbarkeit über die Lüftungsanlage kann gewährleistet werden.


5. Zertifikate

Die maßgeblichen Kriterien für Passivhaus-Komponenten und Passivhäuser werden vom Passivhaus Institut, Dr. Wolfgang Feist, (PHI) vorgegeben.


6. Nachweisverfahren und Normenbezug

Nachweisverfahren für den Passivhaus-Qualitätsstandard ist das Passivhaus Projektierungs- paket (PHPP). Das PHPP wurde speziell für Passivhäuser entwickelt, eignet sich aber auch sehr gut für andere Gebäude. Es handelt sich um ein aus mehreren Nachweisen bestehendes, erprobtes und überprüftes Rechenverfahren zur Ermittlung von Heizwärme- und Primärenergiebedarf von Gebäuden, das im wesentlichen auf europäischen Normen basiert. Darüber hinaus enthält es ein vereinfachtes Verfahren zur Berechnung der sommerlichen Übertemperaturhäufigkeit von Gebäuden. Das PHPP ist beim Passivhaus Institut erhältlich (www.passiv.de). Systemvoraussetzung sind Microsoft Windows XP (oder höher) sowie Microsoft-Excel 2007 (oder höher).

Grundlage für den Nachweis der Gebäudeluftdichtheit ist die DIN EN 13829. Abweichend von DIN EN 13829 ist je eine Messreihe für Überdruck und für Unterdruck erforderlich. Der Drucktest ist nur für die beheizte Gebäudehülle durchzuführen (Keller, Vorbauten, Wintergärten etc., die nicht in die thermische Gebäudehülle integriert sind, sind vom Drucktest auszunehmen). Die Prüfung wird zu einem Zeitpunkt empfohlen, an der die luftdichtende Ebene noch zugänglich ist und Ausbesserungen vorgenommen werden können. Eine Prüfung nach Fertigstellung aller Ausbauarbeiten kann zusätzlich erfolgen.

Bezugsgröße für den Energiebedarf ist die "Energiebezugsfläche" gemäß PHPP-Handbuch. Angerechnet werden nur Flächen die innerhalb der thermischen Gebäudehülle liegen (Bilanzgrenze). Flächen außerhalb der thermischen Gebäudehülle (Balkone, Terrassen etc.) werden nicht angerechnet.

Die Wärmedurchgangskoeffizienten U sind nach DIN EN ISO 6946 zu ermitteln. Das PHPP bietet hierfür eine einfache Rechenhilfe.

Wärmebrückenverlustkoeffizienten geometrischer und konstruktiver Wärmebrücken werden mit einem mehrdimensionalem Wärmestromprogramm ermittelt. Hierfür sind am Markt zahlreiche EDV-Programme verfügbar. Ziel bei der Planung von Passivhäusern ist jedoch die Realisierung wärmebrückenfreier Konstruktionen; aufwendige Berechnungen können dann entfallen.

Der Wärmedurchgangskoeffizient Ug für Verglasungen ist nach DIN EN 673 zu ermitteln und mit zwei wertgebenden Stellen in Folgeberechnungen zu verwenden. Für Werte mit Ug kleiner 1 bedeutet dies eine Genauigkeit von zwei Dezimalstellen. Der Gesamtenergie-Durchlassgrad ist nach DIN EN 410 zu ermitteln. Beide Werte sind vom Hersteller anzugeben.

Die Rechenwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten für Türen (Ud) und Rahmeprofile (Uf) sowie des Wärmebrückenverlustkoeffizienten im Glasrand (Psi-Glasrand) sind (i.d.R. vom Hersteller) nach DIN EN 10077-Teil 2 nachzuweisen. Die Wärmebrückenverlustkoeffizienten von Einbausituationen (Psi-Einbau) sind mit mehrdimensionalen Wärmestromprogrammen zu ermitteln. Für die Ermittlung des mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten Uw bietet das PHPP eine Berechnungshilfe an.

Der Wärmebereitstellungsgrad und der Strombedarf werden jeweils nach dem Prüfverfahren des PHI ermittelt.

Für die vom PHI zertifizierten Komponenten liegen die erforderlichen Rechenwerte vor. (s. Komponentendatenbank unter www.passiv.de)

 

*Beschreibung gilt für kühl-gemäßigtes Klima, d.h. z.B. Mitteleuropa inkl. Deutschland, Österreich und Schweiz